King 810: K7 Album Review & Insights

King810 – K7: Rustbelt Numetal 2, 2025

KING 810. Eine Band, die ich tatsächlich erst dieses Jahr für mich entdeckt habe. Am 30.08.2025 war ich in Stuttgart im „Im Wizemann“ bei ihrer Rustbelt-Nu-Metal-Tour. Als ich sie das erste Mal gehört habe, war ich sofort in den Sound verliebt. Er hat etwas ganz Besonderes, das ich nicht so richtig greifen kann. In diesem Review versuche ich trotzdem, diesem Gefühl so nah wie möglich zu kommen.

King 810 – „K7: Rustbelt Numetal 2“ – Technischer Deep Dive

Mit „K7: Rustbelt Numetal 2“ setzen King 810 ihren Rustbelt-Zyklus fort – wieder als Live-Studio-Session, wieder mit Publikum im Raum und erneut eingefangen in den Pearl Sound Studios in Detroit mit Charles Alkazian an den Reglern.
Allein daraus ergibt sich schon ein technischer Rahmen: Statt glattgebügeltem High-End-Polish bekommt man eine Produktion, die atmet, schwitzt und kleine Unebenheiten bewusst drin lässt.

Sound & Produktion

Das Album läuft in knapp 33 Minuten durch und fühlt sich technisch wie ein sehr fokussierter Mitschnitt an.
Die Gitarren liegen relativ trocken im Mix, wenig Hall, stark auf die Mitten fokussiert. Dadurch schiebt der Sound direkt nach vorne, ohne sich in einer Wand aus Reverb zu verlieren. Der Bass ist nicht nur Füllmaterial, sondern klar konturiert, oft leicht angezerrt und sitzt ziemlich weit vorne. Das gibt dem Ganzen diesen typischen, dreckigen Rustbelt-Vibe.

Die Drums sind der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Platte. Man hört, dass hier live eingespielt wurde: leichte Tempo-Schwankungen, Nuancen in der Anschlagstärke, Ghost Notes auf der Snare – nichts davon wird tot-editiert. Die Kick ist trocken, relativ kurz gehalten und eher mittenbetont, was im Kontext mit den tiefen Gitarren dafür sorgt, dass das Low-End nicht zum Matsch wird. In der Summe wirkt das Mastering verhältnismäßig dynamisch, gerade für modernen Nu Metal / Beatdown. Die Lautheit ist natürlich hoch, aber nicht komplett an die Wand gefahren. Breakdowns und Refrains haben noch Headroom, so dass die Drops wirklich knallen und nicht nur lauter werden, sondern auch größer wirken.

Songwriting & Struktur

Mit neun Tracks – von „Blood Rum & Rhythm“ bis „Bad Folks“ – ist das Album eher kompakt gehalten.
Songwriterisch fahren King 810 hier stark auf Kontrast:
– sehr direkte, riffbasierte Strophen
– Groove-orientierte Refrains
– punktuell eingesetzte Spoken-Word- oder Ambient-Parts, die den Songs Luft geben.

Statt klassischem Strophe–Refrain–Strophe zieht sich oft ein Grundriff durch den Track, das rhythmisch variiert, um Spannung aufzubauen. Breakdowns werden meist vorbereitet – entweder über gezielten Rückbau (nur Drums + Vocals) oder über ein kurzes, fast schon Hip-Hop-artiges Loop-Gefühl, bevor das volle Instrumentarium wieder einsetzt. Auffällig ist die Platzierung der Hooks: Die sind selten klassisch „melodisch schön“, sondern eher Rhythmus-Hooks – also Phrasen, Betonungen und Silben, die man mehr fühlt als mitsingt. Das passt zur Gesamtästhetik der Platte und macht viele Passagen live-tauglich, ohne auf große Melodiebögen angewiesen zu sein.

Vocals & Delivery

Vokaltechnisch deckt David die komplette Palette ab: Sprechpassagen, geflüsterte Zeilen, halb gesprochene Rap-Parts, Shouts und verzerrte Screams. Die Produktion setzt dabei klar auf Nähe. Die Stimme sitzt fast immer „direkt vor der Nase“, kaum Raumanteil, dafür leichte Sättigung und Kompression, die die Aggression nach vorne ziehen.

Mehrstimmige Layer werden gezielt und sparsam genutzt: einzelne gedoppelte Shouts im Breakdown, flüsternde Adlibs im Hintergrund, gelegentlich ein breit gepannter Effektkanal, um bestimmte Lines größer zu machen. Auto-Tune oder stark auffällige Melodyne-Arbeit stehen hier klar nicht im Fokus – wenn Tonhöhenkorrektur eingesetzt wird, dann eher subtil, damit der rohe Charakter erhalten bleibt. Was textlich passiert, lässt sich technisch so beschreiben: dicht gesetzte Silben, viele harte Konsonanten, viel Betonung auf Takt 1 und 3 – das unterstützt die Grooves der Rhythmusgruppe und macht die Vocals zu einem zusätzlichen Percussion-Element.

Gitarren, Bass & Riffs

Gitarrentechnisch bewegt sich „K7: Rustbelt Numetal 2“ im Spannungsfeld aus Nu-Metal-Groove, Metalcore-Schwergewicht und Beatdown-Simplizität. Die Riffs sind überwiegend einstimmig, gerne auf den tiefen Saiten unterwegs, teilweise mit typischen Halbtonschritten und Trillern, die diesen unangenehmen, bedrohlichen Unterton reinbringen.

Palm Mutes, Slides und punktuelle dissonante Akkorde werden taktisch eingesetzt, um bestimmte Stellen zu markieren. Harmonisch bleibt vieles bewusst reduziert – das ist weniger „Gitarren-Showoff“ und mehr „Riff als Waffe“. Leads tauchen eher als kurze Motive oder Feedback-Schreie auf, nicht als klassische Soli.

Der Bass spielt selten 1:1 die Gitarren mit, sondern setzt eigene kleine Läufe und rhythmische Verschiebungen, die das Groove-Fundament breiter machen. In manchen Parts übernimmt er fast schon die Funktion eines zweiten Rhythmusgitarristen, in anderen legt er sich wie ein brummender Teppich unter das Ganze und schiebt die Songs von unten.

Drums & Groove

Die Drums sind wahrscheinlich das technisch spannendste Element des Albums. Stilistisch gibt es einen Mix aus Nu-Metal-Grooves, Half-Time-Beatdowns und gelegentlichen Offbeat-Akzenten, die die Songs aus der Komfortzone holen. Hi-Hat- und Ride-Arbeit bleibt meistens relativ schlicht, dafür lebt die Platte von Ghost Notes und Synkopen auf Snare und Kick. Fills sind eher kurz und funktional, selten überladen. Man merkt: Ziel ist nicht, möglichst virtuos zu wirken, sondern die Härte und das Gewicht der Songs zu unterstützen. Viele Übergänge arbeiten mit „Stutter“-Effekten – kurze Stopps im ganzen Bandgefüge, gefolgt von einem gemeinsamen Re-Entry auf die Eins. In Verbindung mit dem leicht rohen Livesound wirkt das sehr organisch und nicht wie am Rechner zurechtgeschnitten.

Atmosphäre & Flow

Auch wenn die Platte mit 33 Minuten verhältnismäßig kurz ist, gibt es einen klar spürbaren Spannungsbogen. Die ersten Tracks setzen vor allem auf physische Wucht und Groove, während in der Mitte des Albums mehr Raum für atmosphärische Elemente entsteht – langsamere Tempi, offenere Akkorde, mehr Platz für Vocals und Sounddesign.

Noise-Elemente, Samples und dezente Synth-Flächen werden sehr sparsam eingesetzt. Meistens sind das eher Hintergrundtexturen, die man beim ersten Hören nur unterbewusst wahrnimmt: ein tiefes Dröhnen, ein entfernte Geräuschkulisse, leicht verstimmte Töne, die sich in den Mix legen. Das alles stützt den Rustbelt-Charakter – rostig, industriell, aber nicht überproduziert.

Der Albumabschluss mit „Bad Folks“ wirkt technisch wie ein kontrollierter Auslauf: Das Stück nutzt seine Spielzeit, um rhythmische und dynamische Elemente der vorherigen Songs nochmal zu bündeln und in einem etwas längeren Rahmen zu beleuchten. Dadurch fühlt sich das Ende nicht abrupt an, sondern mehr wie ein geplanter letzter Schlag.

Fazit

Als noch recht neuer, aber inzwischen sehr aktiver Hörer finde ich das neue Album insgesamt gelungen. Im direkten Vergleich zum Vorgänger hinkt es meiner Meinung nach allerdings ein Stück weit hinterher. Mir fehlt hier ein Song wie „Rustbelt Numetal“ oder „Headshot“ – solche richtigen Bretter mit klarem Wiedererkennungswert. Trotzdem macht es Spaß, das Album durchzuhören und die neuen Songs auf sich wirken zu lassen. Für mich ist es ein rundes und spannendes Release, und ich hoffe, dass die Jungs aus „Murder Town“ bald wieder bei uns vorbeischauen. Die Energie der Crowd bei dem Konzert war einfach absolut mega.

Schreib doch gerne in die Kommentare was du von dem neuen Album hälst und was dein persönlicher Lieblings Song von KING810 ist.

Erscheinungsdatum: 31.10.2025

Label: Self-released (kein Label angegeben)

Genre: Nu Metal / Rap Metal / Heavy Metal

Bewertung: 8,5/10


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Loud and Heavy

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen